Für mehr Disteln im Beton – 20 Jahre Bunte Kuh

Die Bunte Kuh, eines der ältesten Kultur- und Polit-Projekte im Berliner Osten feiert sein 20 jähriges Bestehen. Wir werden euch ein schönes Programm hinlegen. Von Punk über HipHop, Ska, Trommelgruppen und Songwriter-Sachen wird alles dabei sein. Außerdem: gibt’s Infostände, Feuershow, Beatbox, Breakdance, Capoeira, Freestyle, Grafittibattle, Percussion.

„Geh in dreckige Clubs […] Scheiß egal hau auf den Putz!“ (Pilskills)

Vom 8. Bis zum 10. September feiert die Bunte Kuh, unser Weißenseer Kleinod in Sachen alternativer Politik und Kultur, sein 20 Jähriges Bestehen. Die Kuh steht seit mehreren Generationen dafür, das Leute ihr Ding selber machen: Konzerte, Sport, DIY-Muckiebude, Infoveranstaltungen, Filmabende, Voküs, Tresenabende usw. Na ja, und da es ja auch keinen gibt der das Ganze am Reisbrett durchplant, bleibt auch mal die ein oder andere Arbeit liegen oder unvollendet. Das mag nicht jedem liegen, ist aber immer noch besser als in anderen Jugendeinrichtungen, wo Häkelkurs, Zwangs- Socialization und Sauberkeitsdiktat den Laden zu einem komplett sterilen Ort machen. Manch ordnungsliebenden Nachbar oder Aushilfshitler war die Bunte Kuh darum seit jeher ein Dorn im Auge. Den einen passt sie nicht, weil sie endlich „das Reich“ wieder wollen, den anderen weil ihnen „Ordnung“ am Herzen liegt. „Ordnung“ ist dabei lediglich ein anderes Wort für Ruhe, denn die wird durch junge Menschen anscheinend gestört. Dabei ist es egal, dass sich vor der Bunten Kuh im Haus mal eine Schule mit Pausenklingel usw. befand. Letztere Kuh-Kritiker_innen sind einem deswegen suspekt, da es die Selben sind, die sich am Küchentisch über Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich monieren aber eine Jugendeinrichtung nicht vor der eigenen Haustür haben wollen.
Allein der Umstand das über drei Tage buntes Publikum aus Weißensee und anderen Bezirken, so wie auch aus anderen Bundesländern (Kuh-Kinder wohnen mittlerweile überall verstreut) das Mosel-Viertel bevölkern werden, wird dem rechtsdrehenden Klientel im Kiez die Galle hochtreiben. Auch deswegen ist uns eine ungemeine Freude dieses Fest auszurichten und euch alle dazu einzuladen.

“Our house in the middle of the street” (Madness, Eminem)

Wir wollen im September allerdings nicht nur unsere bloße Existenz feiern, das gab es im letzten Jahr im Rahmen der Besetzungsjubiläen zu genüge, in den wenigsten Fällen allerdings mit Erkenntnisgewinn über die Erfahrungen, in 20 Jahren rund um so ein Hausprojekt entstehen. Wir wollen die Frage diskutieren welche Perspektiven und Aufgaben Zentren wie die Bunte Kuh, gerade im Osten von Berlin haben können. Die Kuh hat es im Vergleich zu anderen alternativen Zentren in Ostberlin geschafft bis jetzt, trotz veränderten Bedingungen in und um das Projekt, keinen krassen Besuchereinbruch zu erleiden. Im Gegenteil: Grad läuft‘s richtig gut. Das könnte uns so genügen. Aber eine Debatte um alternative und soziale (Jugend)zentren in der Zone empfinden wir gerade jetzt als wichtig, da derzeit immer mehr Menschen an den Stadtrand verdrängt werden, die der Staat als unnützes Kruppzeug empfindet. Es sind die Menschen, über die in einer rassistisch und sozialdarvinistisch aufgeladenen Unterschichten-Debatte zwar viel geredet aber eben nur wenig mit ihnen geredet wird.
In wie weit können wir uns als Zentren einer sich verschärfenden ökonomischen Realität in den kommenden Jahren stellen und widerständisch Einfluss nehmen? Im Rahmen einiger Folgeveranstaltungen nach dem Festival wollen wir diese Debatte zusammen mit euch anstoßen. Auch antifaschistische Politik im (Nord)osten in den 90ern und den Nuller-Jahren sollen im Rahmen von Retrospektiv-Veranstaltung beleuchtet werden. Beim Fest gibt’s die Flyer direkt auf die Hand. Damit es nicht nur bei einem Rückblick bleibt, wollen wir auch Stellung zu tagesaktuellen Themen nehmen.

 

# „Bau auf bau auf“ (sozialistsicher HipHop-Klassiker)

Die Bunte Kuh ist jetzt nicht nur schon zwei Jahre über der Volljährigkeit und kann machen was sie davor auch schon gemacht hat (Rauchen, trinken, bis in die Puppen feiern etc.), sein sie muss jetzt auch endlich mal arbeiten gehen. Jetzt mal im Ernst: Jede Hand die anpackt wird grad benötigt um dem Haus zu neuem Glanz zu verhelfen. Wer Handwerklich was drauf hat, wer Geld-, Material-, oder Sachspenden leisten möchte kann sich bei uns melden. Wir freuen uns.

Für einen Kiez ohne Nazis!
Für selbstbestimmte Kultur!
Für ein unabhängiges und säkulares Weißensee!

Wir sehen uns beim 20 Jahre Bunte Kuh-Festival.
Der Osten rollt!

Lineup:
Feine Sahne Fischfilet, Nordwand, Damion Davis, Conexion Musical, Balkonproleten, Johnnie Rook, HDKS, Pyro One, Jenz Steiner, Rolando Random, Your World Dies, Luke27, Blockwart, Dj Boogie Dan, Radio Gaga, Moskaus Rache für Rambo, Lütte Hapoel & Kobold #1, Sichtbeton, Benny Behave, Kai Kani, Restless Riot, Paul Paul Movement, Finest, Radio Gaga, Patsy Stone, The Gash, Natural Born Grinders, DC…
Drum’n’Bass-Geballer mit: Mo, Flare5, RollinMc, Fallout Boy, Detrend-City-Rockers | Das komlette Lineup gibt’s hier zu lesen.

Festival-Blog: www.buntekuh.blogsport.eu
Kuh-Homepage:
www.buntekuhverein.de
Banner & Flyer:
www.buntekuh.blogsport.eu/material/

Juli 2011

Bunte Kuh-Festival – Crew