Offener Brief: Solidarität gegen rechte und rechtspopulistische Positionen!

Solidarität gegen rechte und rechtspopulistische Positionen!
Offener Brief an die Pankower Lokalpolitik

Wir – die offene Kinder- und Jugendarbeit Pankows – sehen uns in der Verantwortung, jungen Menschen Solidarität und kritisches Denken nahezubringen. Seit vielen Jahren arbeiten wir gemeinsam mit Ihnen und vielen anderen Akteuren für eine offene, solidarische und bunte Gesellschaft.

In jüngster Zeit sind rechte Positionen und Denkweisen und Hetze gegen Geflüchtete und Migrantinnen auf dem Vormarsch. Menschen, die vor Krieg und Elend fliehen, werden in Deutschland mit verbalen und körperlichen Angriffen und Ausgrenzung konfrontiert, rechte Parteien fahren bei Wahlen zweistellige Ergebnisse ein und die Anzahl rechter Straftaten hat sich
im letzten Jahr beinahe verdoppelt. Die Forderungen und Positionen der sich etablierenden rechten Parteien sind aus Perspektive der Kinder- und Jugendarbeit unhaltbar und stehen unserer Arbeit diametral entgegen. Zu nennen sind hier beispielsweise das Senken der Strafmündigkeit auf
12 Jahre, das Einfordern von Schuluniformen sowie mehr Disziplin und Sanktionen an Schulen. Auch das reaktionäre Familienbild und die traditionellen Geschlechterbilder, der Rassismus und die Ideologien der Ungleichwertigkeit widersprechen grundlegend der von uns geleisteten emanzipatorischen und der UN-Erklärung der Kinder- und Menschenrechte verpflichteten Kinderund
Jugendarbeit.

Denn unsere Arbeit ist…

antirassistisch. Wir schaffen aktiv Räume, die allen Menschen ermöglichen, sich auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen. So werden Freundschaften geknüpft, gemeinsam Projekte umgesetzt und auch konkrete Unterstützung geleistet, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe. Da Rassismus und andere menschenverachtende Einstellungen gesellschaftlich leider immer noch
weit verbreitetet sind und antimuslimischer Rassismus am Erstarken ist, erachten wir es als unsere Aufgabe, junge Menschen, die davon betroffen sind, zu schützen und zu stärken.

feministisch. Wenngleich sowohl das Grundgesetz als auch die allgemeine Erklärung der Menschenrechte Bekenntnisse zur sexuellen Vielfalt und Gleichberechtigung enthalten, haben Frauen, Homosexuelle, Trans*- und Intersexuelle oft mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen: Sie werden konfrontiert mit Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt, mit gesellschaftlichen Rollenerwartungen oder mit sexualisierter Gewalt. Wir schaffen dagegen ein Miteinander, bei dem alle so sein können, wie sie wollen, ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Damit ermöglichen wir jungen Menschen, ihre sexuelle Identität zu entdecken und zu leben, unabhängig von starren Rollenbildern und gesellschaftlichen Sanktionen.

solidarisch. Bei uns können junge Menschen erleben, dass Probleme oft besser zusammen als allein gelöst werden, sie erleben Gruppenprozesse und -dynamiken und lernen verschiedene Perspektiven wahrzunehmen und anzuerkennen. Dabei sollen alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von Benachteiligungen bspw. durch Behinderung oder sozialem Hintergrund, durch solidarischen Umgang miteinander Selbstermächtigung erfahren und die Möglichkeit haben, gemeinsam selbstorganisiert ihre eigenen Lebensräume zu gestalten.

kritisch. Diskussionen, kritisches Hinterfragen und Konflikte sind wünschenswerte und wichtige Aspekte einer gelebten Kultur in unserer Arbeit. In zahlreichen Veranstaltungen, Workshops, Themenwochen und Alltagssituationen gehen wir mit Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen ins Gespräch, fordern sie heraus und lassen uns von ihnen herausfordern. Dabei lernen wir gemeinsam auch Widersprüche auszuhalten und sich in Debatten zu begeben. So befähigen wir Kinder und Jugendliche dazu, sich selbst und andere kritisch zu hinterfragen und sich
eine eigene Meinung zu bilden. Daher fordern wir Sie mit diesem offenen Brief dazu auf, sich entsprechend dem Berliner Konsens (1) gegen rechte und rechtspopulistische Positionen zu stellen und emanzipatorische Kinder- und
Jugendarbeit gerade dann zu unterstützen, wenn es am nötigsten ist. Wir hoffen, dass Sie uns weiterhin den Rücken stärken, um gemeinsam mit uns auf eine solidarische und diskriminierungsfreie Gesellschaft hinzuarbeiten.

Unterstützer*innen:
Abenteuerlicher Bauspielplatz Kolle 37
Aktivspielplatz Franz B.
ASP_INGE
Gendereinrichtung Go
Haus der Jugend „Bunte Kuh“ e.V.
Jugendfarm Moritzhof
Jugendfreizeiteinrichtung K14
Jugendfreizeiteinrichtung Mahlerstraße 20
Jugendfreizeiteinrichtung OC 23
Jugendkulturzentrum Königstadt
Kinder Kiez Club Pankow
Kinderbauernhof Pinke-Panke
Kinderclub „Der Würfel“
Kinderfreizeiteinrichtung Rakäthe
Jugendfreizeiteinrichtung TwentyTwo
Mobile Jugendarbeit Outreach
Abenteuer- und Archäologiespielplatz Moorwiese
Schülerclub Hasengrund
SportJugendzentrum Lychi
Gangway e.V. – Straßensozialarbeit in Berlin
Tanzwerkstatt No Limit
Tivolotte Mädchen*club
Unabhängiges Jugendzentrum Pankow JUP e.V.
Zukunftswerkstatt Heinersdorf
Mitglieder des Kinder- und Jugendhilfeausschuss Pankow


1 Berliner Konsens – Öffentliche Erklärung der Berliner demokratischen Parteien SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen,
Die Linke, Piratenpartei und FDP:
http://www.mbr-berlin.de/wp-content/uploads/2016/06/Berliner_Konsens_2016.pdf